Am Morgen des 6. April 2023 wachte ich mit Wehen auf – in der 35. Schwangerschaftswoche mit meinen Zwillingen. Genau davor hatte ich während der gesamten Schwangerschaft Angst: eine Frühgeburt. Mein Wunsch war es, dass die beiden bis mindestens Woche 37+0 bleiben würden. Doch an diesem Morgen war mir klar, dass meine zwei Mädchen sich heute auf den Weg machen würden.
Die Entscheidung: Zuhause oder Krankenhaus?
Schon kurz nach dem Aufwachen wurden die Wehen intensiver. Instinktiv ging ich in die Vierfüßler-Position und rief meine Hebammen an. Am Telefon kam die entscheidende Frage: „Wo möchtest du gebären? Zuhause oder im Krankenhaus?“
Ein Moment der Stille. In den folgenden Minuten spielte sich ein Szenario in meinem Kopf ab: die grellen Lichter des Krankenhauses, der Kampf um eine natürliche Geburt bei BEL (Beckenendlage), mögliche Kaiserschnitt-Entscheidungen und die Trennung von meinen Babys für Untersuchungen. Noch dazu der Gedanke, meinen älteren Sohn für mehrere Tage allein zu lassen.
Die Antwort war klar: Ich bleibe zu Hause. Mein Körper hatte die Geburt natürlich in Gang gebracht, und ich vertraute darauf, dass alles gut sein würde.
Die Ruhe vor dem Sturm
Meine Hebammen machten sich auf den Weg. In der Zwischenzeit weckte ich meinen damals fast vierjährigen Sohn, erklärte ihm, dass seine Schwestern heute kommen würden, und wir nutzten die Zeit, um Pfannkuchen zu backen und zu kuscheln. Es war ein besonderer Moment – eine letzte Umarmung vor dem großen Ereignis.

Danach zog ich mich auf die Terrasse zurück, setzte meine Kopfhörer auf und hörte meine Meditation. Die Wehen waren regelmäßig, und obwohl ich sie veratmen musste, empfand ich sie nicht als schmerzhaft – eher als kraftvoll.
Als die Hebammen eintrafen, wurde die Geburtssituation vorbereitet. Es gab einen kurzen Moment der Unruhe, weil ein Hund mitgebracht wurde, was unsere territorialen Hunde und Nachbarhunde aufbrachte. Die Wehen stoppten plötzlich, aber meine Hebammen beruhigten mich und versprachen, sich um alles zu kümmern.
Im Geburtspool: Kraft tanken für den großen Moment
Zurück auf der Terrasse kehrte ich in meine Trance zurück, bis ich das Bedürfnis hatte, ins Wasser zu gehen. Ein Kinderpool wurde gefüllt, doch bald darauf zog es mich ins Haus, wo der Geburtspool bereitstand. Der Raum war erfüllt von ätherischen Düften und einer friedlichen Atmosphäre.
Um etwa 12 Uhr wurden die Wehen deutlich intensiver. Die Hebammen meinten, es würde nicht mehr lange dauern. Erleichtert stieg ich in den Pool und versuchte, mich zu entspannen. Doch plötzlich spürte ich einen Blasensprung, gefolgt von einer kraftvollen Wehe, die mich in eine kniende Position katapultierte.

Die Geburt der ersten Tochter
Jetzt wurde es intensiv. Die Presswehen waren kraftvoll und schmerzhaft, und ich spürte den Druck und das Brennen, als das Köpfchen meiner ersten Tochter erschien. Eine Hebamme forderte mich auf, meinen Kiefer zu entspannen, um den Geburtskanal zu lockern. Mit der nächsten Wehe war es soweit: Meine kleine, zarte Tochter flutschte ins Wasser, um 13:45 Uhr.
Ich hob sie in meine Arme, doch ein kurzer Moment der Unsicherheit überkam mich: Sie war so still und federleicht. Doch die Hebammen und mein Mann beruhigten mich – sie war wohlauf. Ich verließ das Wasser, um sie an die Brust zu legen.

Die Geburt der zweiten Tochter
Noch während ich meine erste Tochter im Arm hielt, spürte ich, wie die Wehen für mein zweites Baby einsetzten. Meine erste Tochter übergab ich den Hebammen, weil ich keine Kraft hatte sie während meiner Wehen zu halten. Eine kurze Abtastung meines Bauches ergab, dass meine zweite Tochter weiterhin in Beckenendlage war. Ich schloss die Augen, sagte mir innerlich „Alles wird gut, mein Körper ist dazu geschaffen zu gebären, auch Beckenendlage!“ Ich ich vertraute meinem Körper.
Die Presswehen kamen, und mit der nächsten Wehe erschien das sitzende Baby – doch der Kopf blieb zurück. Ich war erschöpft, meine Kraft schwand. Erst mit einer weiteren Presswehe schaffte ich es, auch den Kopf zu gebären. Meine zweite Tochter kam wohlauf in der intakten Fruchtblase, um 14:15 Uhr zur Welt.
Der perfekte Abschluss
Erschöpft, aber überglücklich, lag ich wenig später in meinem Bett – mit meinen beiden gesunden Mädchen, meinem Sohn und meinem Mann. Erst jetzt, 1 Stunde später, wurde die Nabelschnur durchgeschnitten.

Es war genau die Geburt, die ich mir gewünscht hatte: friedlich, selbstbestimmt und voller Dankbarkeit.
Dieser Tag hat mir gezeigt, wie stark wir Frauen sind, wenn wir uns auf unseren Körper verlassen und in einer sicheren, vertrauten Umgebung gebären dürfen. Für diese Erfahrung bin ich unendlich dankbar.
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Eine so wunderbare Geburt und dass mit Zwillingen ist kaum zu glauben. Diese Zuversicht, die Du hattest, dem Körper und seinen Instinkten vertrauen zu können, hat dies sicherlich ermöglicht. Schön, dass Du Deine wertvollen und sehr persönlichen und berührenden Erfahrungen hier teilst.
Vielen Dank für den lieben Kommentar.